Sonntag, 30. Juli 2006

Doping im gelben Trikot

Eigentlich müsste man es einige Radprofis verzeihen. Woher hätten sie denn wissen sollen, dass sie auf Doping getestet werden? Da greift man schon mal unscheniert zum Präparat und verbessert seine Leistungen. Wenn man dann erwischt wird, stellt man sich vor die Presse und beteuert mit „bestem Gewissen“ seine Unschuld oder lehnt Kommentare ganz ab. So wie zum Beispiel Jan Ullrich. Den ewigen Zweiten sahen Experten nach dem Ausstieg von Lance Armstrong als klaren Tour-Favoriten. Dass die Dopingkontrolle dabei der Spielverderber sein sollte, konnte sie ja nicht ahnen.

Der große Skandal vor der wichtigsten Radrundfahrt, hätte eigentlich eine Warnung für alle Fahrer sein müssen. Größere Dopingrazias während der Tour blieben aus. Man habe ja alles gefunden, blieben die Verantwortlichen in ihrem sicheren Glauben. Doch plötzlich schoss Floyd Landis wie ein Phönix aus der Asche. Nachdem der frühere Edelhelfer von Lance Armstrong eingebrochen war, startete er am darauf folgenden Tag einen Parforceritt und war wieder mit von der Partie um das gelbe Trikot. Hatte die nächtliche Leistungssteigerung etwa irgendetwas mit Testosteron zu tun?

Die Stimmung bei der Siegerehrung war jedenfalls wie auf einem Friedhof. Die anderen Fahrer hatten den Braten bereits gerochen, und vielleicht ist Landis auch von einem Italiener verpetzt worden. Eines ist klar: Jemand der bescheißt, den mag keiner. Ob beim Glücksspiel oder beim Radsport. Viele Profis heucheln nun wieder ihre „Experten“-Meinung im Fernsehen. Dass der Sport sauber bleiben soll und dass sie so etwas nie machen würden. Solange bis sie selbst vor der positiven B-Probe stehen.

Dass Doping schon längst kein Kavaliersdelikt mehr ist, dass hat auch der Bayrische Ministerpräsident Ede Stoiber eingesehen. Er fordert Haftstrafen für Fahrer, die sich des Dopings schuldig gemacht haben. Doch wo führt das hin? Sollen in Deutschland Radfahrer länger hinter Gittern sitzen als Diebe, Autoknacker und sogar Vergewaltiger? Diese Rechtsauslegung würde mir Angst machen.

Die Radprofis würde aber auch ein solcher Gesetzesentwurf nicht vom Doping abhalten. Für sie steht wohl zu viel auf dem Spiel, was sie alles mit einer kleinen Spritze riskieren. Bei der nächsten Frankreichrundfahrt wird auf jeden Fall wieder der Gestank von Doping den Fahrtwind begleiten.

Von Christian

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