Sport

Kinder, wie die Zeit vergeht. Auf den Tag genau vor fünf Jahren veranstaltete die amerikanische Independent-Wrestling-Liga Ring Of Honor, kurz ROH, ihre erste Show. Und wer hätte sich am 23. Februar 2002 träumen lassen, dass die Promotion fünf Jahre später noch immer existieren sollte? Nun, Ring Of Honor ist anno 2007 sogar viel mehr als bloß existent. Im derzeit regressiven amerikanischen Wrestling-Markt belegt das kleine Unternehmen den dritten Platz. Welchen Stellenwert diese Position mit sich bringt, wird jedoch erst klar, wenn man einen genauen Blick auf die beiden Erstplatzierten wirft.
Einen Platz vor Ring Of Honor, jedoch weit entfernt, steht Jeff Jarretts Total Nonstop Action-Gruppe. Gestützt durch das Budget des Energiekonzerns "Panda Energy" und ausgestattet mit einem donnerstäglichen Sendeplatz auf "Spike TV" zur Prime Time hat sich TNA als Nummer zwei im Mainstream etabliert. Scheinbar uneinholbar an der Spitze der Industrie steht der Platzhirsch, der internationale Marktführer, Vince McMahons milliardenschweres, börsennotiertes Unternehmen: die WWE. Im ersten Vergleich scheint ROH da mehr als schlecht abzuschneiden. Man veranstaltet höchstens vier Mal pro Monat in kleinen schmucklosen Gebäuden. So war es vor fünf Jahren nicht unüblich, eine ROH-Show in einer Turnhalle zu sehen. Im TV wird man ROH vergeblich suchen. Über einen Sendeplatz verfügt die Liga nicht. Das braucht sie auch nicht. Ring Of Honor finanziert sich ausschließlich über Eintrittskarten und DVD-Verkäufe. Und bei einem Produkt, wie ROH es regelmäßig liefert, rechnet sich das allemal. Hier steht der Sport, das eigentliche Wrestling noch im Vordergrund. Aus aller Welt beziehen Anhänger des puren Wrestlings ihre DVDs von ROHWrestling.com. Während die Tendenz in den Sendungen der Massenmarktführer im Moment eher in Richtung Show und Drumherum geht, respektiert ROH noch die Sportart und Kunst des Pro-Wrestlings. Wer des Gelabers und der Seifenoper von WWE und TNA überdrüssig ist, ist bei ROH genau richtig. An Wettbewerb und Athletik ist das Geschehen kaum zu überbieten. Der praktizierte Stil orientiert sich stark am japanischen "Strong Style", das heißt es geht physisch sehr intensiv und handfest zu. Wer nur WWE-Matches gewöhnt ist oder Wrestling allgemein als "lächerlich" und "fake" belächelt, dem sei eine Kostprobe Ring Of Honor ans Herz gelegt. Ob es nach Eurem Geschmack ist, kann ich nicht sagen. Ich verspreche aber, Ihr werdet einen neuen Respekt für Pro Wrestling entwickeln. Vor der Leistung eines solchen Kalibers muss jeder objektive Beobachter den Hut ziehen.
Das Potential der ROH-Akteure ist natürlich auch an oberster Stelle nicht unbemerkt geblieben. Talentspäher von WWE und TNA bedienen sich nur zu gerne am amerikanischen Wrestling-Nachwuchs, dem ROH eine Plattform bietet, seine Qualitäten bestmöglichst unter Beweis zu stellen. Obwohl Ring Of Honor über die Jahre Leistungsträger wie CM Punk und Samoa Joe an die großen Firmen verloren hat, war die unabhängige Promotion aus Bristol, Pennsylvania immer in der Lage, die Zügel an neue Gesichter weiter zu geben. Das hat die vergangenen fünf Jahre gut funktioniert und wird es auch in der Zukunft. Denn so begrenzt die Möglichkeiten für ROH auch sein mögen - innerhalb ihrer Nische machen die Verantwortlichen einfach alles richtig.
Herzlichen Glückwunsch, ROH! Ich möchte Dich nicht missen.
Von Tim
the outsiders - 23. Feb, 15:01
Warum ich das denke? Man muss schon ziemlich verrückt sein, wenn man sich aus sechs Metern und wenigern die Bälle um die Ohren hauen lässt. Vor allem bekommen die Handball Keeper mehr Schüsse auf den Kopf, als in jeder anderen Ballsportart. Diese beiden Fakten hielten mich Jahre lang davon ab, mich selbst ins Tor zu stellen und zu einem lebensmüden „Hampelmann“ zu werden. Endgültig für verrückt erkläre ich Handball Torhüter, nach dem Training gestern.
Unser Schlussmann sprang in einen Schuss von mir, viel um und blutete. Nachdem er die Blutung in der Kabine gestoppt hatte, kam er mit erhobener Faust und einem Siegeslächeln wieder in die Halle:
„Ich wusste, dass du irgendwann mal kurz schießt.“
Der Triumph spiegelte sich in seinen Augen.
Von Christian
the outsiders - 14. Feb, 22:36
Ihr werdet es vernommen haben: Deutschland ist Handball-Weltmeister 2007. Was Ihr bisher nicht wusstet und nun druckfrisch unter die Nase gerieben bekommt: ich war live vor Ort dabei.
Dank eines Onkels in der Vertriebsdirektion von Adidas bin ich am Samstagabend tatsächlich noch kurzfristig in den Genuss eines Endspiel-Tickets für die Kölnarena gekommen. Die Stimmung war wie erwartet bombastisch. 19.000 Zuschauer mit scheinbar ebensovielen Fanartikeln in den Farben Schwarz, Rot und Gold schafften über die 60 Minuten eine Stimmung, wie ich sie vorher nie erlebt hatte. Manchmal ging das sogar über die Schmerzgrenze hinaus. Positionierte sich ein polnischer Spieler zum Siebenmeterwurf an der Linie, war man als Mensch mit empfindlichen Schlagzeuger-Ohren gut beraten, seine Gehörgänge mit allen verfügbaren Fingern zu stopfen.
Die kurze Schwächephase der deutschen Mannschaft folgend auf den Ausfall der Torwartlegende Henning Fritz ging mächtig an die Nerven. Doch sollte es Polen außer in der Anfangsphase nicht mehr gelingen, die Führung an sich zu reißen. Gut drei Minuten vor Schluss stand der Sieg für die DHB-Auswahl fest. Lauthals zählte die Halle die letzten zehn Sekunden herunter, dann war es offiziell: "das Spiel ist aus! Deutschland ist Weltmeister!" Gänsehaut pur.
Als direkter Sitznachbar verfolgte übrigens niemand Geringeres als der Bruder von Bundestrainer Heiner Brand das Geschehen. Mit seiner Einschätzung "die machen das" vor dem Beginn der Partie sollte er recht behalten. Dieser Sonntag war definitiv eines der wenigen Erlebnisse vom Typ "das vergisst man im Leben nie mehr".
Noch ein kurzer Absatz für alle politisch Interessierten: vergesst alle Umfragen in TV und Presse. Das Publikum der Kölnarena war gestern das maßgebliche Polit-Barometer schlechthin. Die Reaktionen auf die anwesenden Politiker zeigten eindeutig, wo bestimmte Volksvertreter derzeit im Ansehen der Bevölkerung stehen. Bundespräsident Horst Köhler bekam starken Applaus. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) empfing verhaltenen Zuspruch - wohl auch dessen, weil über die Hälfte der Zuschauer keinen blassen Schimmer von seiner Person und seinem Amt hatten. Polens Staatspräsident Lech Kaczyński rief äußerst gemischte, überwiegend negative Reaktionen hervor. Den schwarzen Peter erwischt eindeutig Finanzminister Peer Steinbrück (SPD). Er wurde mit einem gellenden Pfeifkonzert in der Arena begrüßt. Dank P. Szeeggy weiß ich sogar, warum.
Von Tim
the outsiders - 5. Feb, 11:16
Nach dem Kantersieg der Deutschen Nationalmannschaft steht dem Meistertitel nichts mehr im Weg. ;-)
Buh, war das ein spannendes Spiel. Ich bin nervlich total am Ende. Handball nimmt mich eben noch mehr mit als Fußball.
Lasst mich vorzeitig den besten Spieler der WM ehren:
Henning Fritz, Henning FRITZ.
Finalllllllllleeeeeee. Oho. Finaaaaaaaaaleeeeeeee. Oho.
Und da warten dann die Polen auf uns. Denn:
1. Werden die erschossen, wenn sie ohne Titelgewinn heimkommen. ;-)
2. Haben wir mit ihnen noch eine offene Rechnung. Gegen alle gewinnen ist doch schöner.
Von Christian
the outsiders - 1. Feb, 19:50
Zeit macht auch vor Idolen nicht halt.
Kevin Nash und Scott Hall, die Original-Outsiders und zwei der wichtigsten Männer zur Zeit der Wrestling-Boom-Periode Mitte der Neunziger, präsentierten sich Anfang November zum ersten Mal seit Jahren wieder gemeinsam der Öffentlichkeit. Anlass war eine Art Wrestling-Fest oder -Messe, wie es sie in den USA regelmäßig gibt.
Nach einem letzten gemeinsamen Run bei World Wrestling Entertainment hatten sich die Wege der beiden getrennt. Hall verschwand aus dem Scheinwerferlicht und kämpfte mit seiner Alkoholsucht, während Nash sporadisch bei TNA auftrat (und dort sofort von unserem geschätzten Kollegen
Klarkjeff / Jenson identifiziert wurde).
So sehen sie also aus, unsere Helden von damals, deren Namen wir heute noch ehrfürchtig in unserem Blog tragen. Zum Vergleich ein Bild aus vergangenen Tagen. Zwischen beiden Aufnahmen liegen ungefähr zehn Jahre.
Von Tim
the outsiders - 15. Nov, 10:33
Die Begegnung zwischen dem TV 02 Siedelsbrunn hat alles gehabt, was ein klassisches Derby ausmacht. Es war ein echter Krimi, mit Spannung bis zur letzten Sekunde. Dort sorgte Ingo Trumpfheller mit seinem Siegtreffer zum 23:22 (12:8) für die Entscheidung. Doch gerade in der Schlussphase nahmen sich beide Mannschaften nichts. Es war eine harte Begegnung im Hexenkessel von Krumbach. Zahlreich waren die Zuschauer auf beiden Seiten erschienen, feuerten ihre Mannschaften an und brachten Emotionen in die Partie.
„Im zweiten Durchgang hat die Mannschaft gewonnen, die siegeshungriger war“, ist sich TV 02-Trainer André Seitz sicher. Ähnlich sieht das sein Gegenüber, TSV-Abteilungsleiter Reiner Lammer: „Es lief vielleicht etwas glücklich für Siedelsbrunn, aber im Endeffekt war der Sieg verdient.“ Vor allem mit der Einstellung seiner Mannschaft war Seitz zufrieden. „Es war eine sehr starke Gesamtleistung. Auf dem Teamgeist, dem Willen und unseren Kampfgeist, können wir aufbauen“, berichtete der Beerfurther.
Hart wurde die Begegnung vor allem in der zweiten Halbzeit. „So Spiele gibt es. Da werden keine Schönheitspreise vergeben, die muss man einfach gewinnen“, sagte Seitz. Auf beiden Seiten nahmen die Nicklichkeiten zu, was auch die Zuschauer zu mehr Stimmung anspornten. Beide Teams konnten sich über mangelnde Unterstützung nicht beklagen. Die Fans feuerten ihre Mannschaft an und waren gerade in den engen Abschnitten das Zünglein an der Waage. Eine gute Leistung auf Seiten des TV 02 zeigte Schlussmann Markus Grieser, der für die Pausenführung verantwortlich war.
In der Anfangsphase der Begegnung tasteten sich beide Teams erste einmal ab. Keines verschaffte sich einen großen Vorteil, bis sich die Siedelsbrunner auf 7:4 (16.) absetzten. Die Krumbacher ließen zu viele Torchancen aus und wurden dafür bestraft. Zwar kamen die Weschnitztäler noch einmal auf 8:9 (22.) heran, doch die Überwälder bauten die Führung konsequent auf 12:8 aus. „Der Halbzeitstand geht in dieser Höhe vollkommen in Ordnung“, so Lammer. Auch Seitz war mit der Leistung seiner Mannschaft zufrieden. „Wir haben konzentriert und clever agiert“, stellte er fest.
Die Halbzeitansprache von TSV-Trainer Reiner Bauer musste gewirkt haben, denn nach dem Seitenwechsel kamen seine Schützlinge besser aus der Kabine. Sie erzielten drei Tore in Folge und kamen auf 11:12 (35.) heran. Doch der starke Trumpfheller brachte ebenfalls den Ball dreimal im Tor unter, so dass der alte Stand wieder hergestellt war. „Dann wurde es allerdings für Siedelsbrunn eng, weil wir eine Manndeckung gespielt haben“, erzählt Lammer. Der TSV glich auf 17:17 (48.) aus. Doch der TV 02, in Person von Carsten Vetter und Seitz, eroberte sich die Führung mit Sperre absetzten wieder zurück.
Die Siedelsbrunner lagen bis zur 56. Minute mit 22:20 vorne, doch dann erzielten die Bauer-Schützlinge zwei Treffer in Folge. In der letzten Minute verlor die Seitz-Sieben den Ball im Angriff, doch die Krumbacher nutzten ihre Chance nicht, sondern warfen den Ball ins Seitenaus. Im Gegenzug gelang Trumpfheller mit der zweiten Welle die Entscheidung.
Von Christian
the outsiders - 15. Okt, 22:41
Eigentlich müsste man es einige Radprofis verzeihen. Woher hätten sie denn wissen sollen, dass sie auf Doping getestet werden? Da greift man schon mal unscheniert zum Präparat und verbessert seine Leistungen. Wenn man dann erwischt wird, stellt man sich vor die Presse und beteuert mit „bestem Gewissen“ seine Unschuld oder lehnt Kommentare ganz ab. So wie zum Beispiel Jan Ullrich. Den ewigen Zweiten sahen Experten nach dem Ausstieg von Lance Armstrong als klaren Tour-Favoriten. Dass die Dopingkontrolle dabei der Spielverderber sein sollte, konnte sie ja nicht ahnen.
Der große Skandal vor der wichtigsten Radrundfahrt, hätte eigentlich eine Warnung für alle Fahrer sein müssen. Größere Dopingrazias während der Tour blieben aus. Man habe ja alles gefunden, blieben die Verantwortlichen in ihrem sicheren Glauben. Doch plötzlich schoss Floyd Landis wie ein Phönix aus der Asche. Nachdem der frühere Edelhelfer von Lance Armstrong eingebrochen war, startete er am darauf folgenden Tag einen Parforceritt und war wieder mit von der Partie um das gelbe Trikot. Hatte die nächtliche Leistungssteigerung etwa irgendetwas mit Testosteron zu tun?
Die Stimmung bei der Siegerehrung war jedenfalls wie auf einem Friedhof. Die anderen Fahrer hatten den Braten bereits gerochen, und vielleicht ist Landis auch von einem Italiener verpetzt worden. Eines ist klar: Jemand der bescheißt, den mag keiner. Ob beim Glücksspiel oder beim Radsport. Viele Profis heucheln nun wieder ihre „Experten“-Meinung im Fernsehen. Dass der Sport sauber bleiben soll und dass sie so etwas nie machen würden. Solange bis sie selbst vor der positiven B-Probe stehen.
Dass Doping schon längst kein Kavaliersdelikt mehr ist, dass hat auch der Bayrische Ministerpräsident Ede Stoiber eingesehen. Er fordert Haftstrafen für Fahrer, die sich des Dopings schuldig gemacht haben. Doch wo führt das hin? Sollen in Deutschland Radfahrer länger hinter Gittern sitzen als Diebe, Autoknacker und sogar Vergewaltiger? Diese Rechtsauslegung würde mir Angst machen.
Die Radprofis würde aber auch ein solcher Gesetzesentwurf nicht vom Doping abhalten. Für sie steht wohl zu viel auf dem Spiel, was sie alles mit einer kleinen Spritze riskieren. Bei der nächsten Frankreichrundfahrt wird auf jeden Fall wieder der Gestank von Doping den Fahrtwind begleiten.
Von Christian
the outsiders - 30. Jul, 12:32
Der Schmerz sitzt noch tief. Ein mulmiges Gefühl schwirrt immer noch durch meine Magengegend. Erst so langsam realisiere ich, was eigentlich passiert ist. Der Traum vom Weltmeister 2006 ist zerplatzt.
Zwei Minuten haben uns gefehlt, bis sich die deutsche Nationalmannschaft ins Elfmeterschießen gerettet hätte. Und retten ist der passende Ausdruck, denn die Italiener waren in der Nachspielzeit die bessere Mannschaft, leider. Aber bei aller Trauer geht der Blick nach vorne und auch zurück. Wer hätte dieser Mannschaft noch vor einem Jahr den Einzug ins Halbfinale zugetraut. Ich nicht.
Doch ein wirklicher Trost ist das nicht. Dennoch muss man einmal die Weltmeisterschaft Revue passieren lassen. Die deutsche Nationalmannschaft hat ein Bombenturnier gespielt und Favoriten wie Argentinien aus dem Turnier geschossen. Und einige Spieler haben mir besonders gut gefallen, und da es unser Blog ist, habe ich das Recht, die Jungs zu nennen:
Jens Lehmann, Oliver Kahn (großer Sportsmann), Philipp Lahm und Torsten Frings. Eine 1A Weltmeisterschaft haben Miroslav Klose und Bernd Schneider gespielt. Das hat richtig Spaß gemacht, denen zuzusehen.
Und wagen wir einmal einen Ausblick in die Zukunft. Wir haben eine junge Mannschaft, die noch lange nicht an ihrer Leistungsgrenze angekommen ist. Schweini, Poldi und auch ein Odonkor werden sich noch weiterentwickeln und uns bei der Europameisterschaft ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Leid tut es mir nur um die alten Recken Bernd Schneider, Jens Lehmann und Oliver Kahn, bei denen unklar ist, ob sie 2008 dabei sind. Sie hätten den Titel echt verdient gehabt. Genau wie der Rest der Mannschaft.
Doch alles Trübsalblasen hilft nicht, denn man kann den gestrigen Tag nicht Rückgängig machen. Lasst uns diese tolle Weltmeisterschaft gebührend zu Ende feiern. Die deutsche Nationalmannschaft ist endgültig zurück an der Spitze des Weltfußballs und wird dort sicherlich noch einige Zeit bleiben.
Dino und
Pia haben sich auch diesem Thema gewidmet.
Von Christian
the outsiders - 5. Jul, 15:09